Magazin
Spiegel in der Raumgestaltung: Wie Format, Rahmen und Positionierung entscheiden
Kaum ein anderes Element in der Einrichtung hat so viele Funktionen und Möglichkeiten wie ein Spiegel. Er reflektiert das Licht, er schafft Raum und erzeugt als gestalterisches Element selbstständige optische Akzente. Also wer beim Einrichten auf den Spiegel setzt, trifft gewiss keine banale Entscheidung. Format, Rahmenmaterial und Positionierung entscheiden darüber, ob der Effekt harmonisch ist oder den Raum belastet.
Was man mit Spiegeln Licht und Raum anstellt
Die Wirkung eines Spiegels ist physikalisch klar erklärbar. Ein planer Spiegel reflektiert die Lichtstrahlen nach dem Reflexionsgesetz (Einfallswinkel = Ausfallswinkel) und je gezielter der Spiegel auf die Lichtquelle ausgerichtet ist, desto wirksamer verteilt er das Licht im Raum. Studien über die Innenraumbeleuchtung, vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik durchgeführt, zeigen, daß reflektierende Oberflächen die empfundenen Helligkeiten in unseren Innenräumen, besonders in solchen, die fensterlos oder nach Nordwesten orientiert sind, erheblich steigern können.
Eine wärmere Lichtatmosphäre erhält man so nicht automatisch, sondern vielmehr eine höhere Leuchtdichte auf der gegenüberliegenden Fläche. Das Gehirn deutet dies als mehr Tiefe des Raumes. Das ist der große Vorteil von Spiegeln in kleinen oder dunklen Räumen: Sie erzeugen keine Helligkeit, sondern lenken das vorhandene Licht um.
Wer einen Spiegel nach Maß anfertigen lässt, kann dabei genau auf die Wandfläche, den Lichteinfall und die Proportionen des Raumes eingehen, was mit den meisten Standardformaten nicht gelingt.
Format und Rahmenmaterial: Wie man die richtige Auswahl trifft
Rechteckäre Spiegel im Hochformat strecken und sind am besten für niedrige Räume geeignet. Querformate betonen die Breite einer Wand und sind für breitere, schmale Räume, wie lange Flure, gut geeignet. Runde Spiegel mindern das „visuelle Gewicht“ eines Raumes, da sie keine Ecken und harte Kanten haben. Sie brechen strenge geometrische Einrichtungsstile auf und fügen sich gut in organisch gestaltete Interieurs ein.
Die größten Raumvergrößerungseffekte erzielen wir mit vollflächigen Spiegeln, die fast die gesamte Wandfläche einnehmen. Im Wohnzimmer kommt eine solche Lösung jedoch schnell etwas befremdlich daher, wenn sie nicht durch Möbel oder ähnliche Dinge gerahmt wird. Das Rahmenmaterial bestimmt, welche Einrichtungsstile wir unterstreichen: Metallrahmen aus gebürstetem Messing oder mattem Gold passen zu zeitgenössischen glamourösen Interieurs, schwarzes Eisen oder Stahl ist der Klassiker für alle industriellen und modernen Stile.
Chrom wirkt kühler und sachlicher, passt aber sehr gut in Bäder mit klaren Linien. Holzrahmen aus Eiche, Esche oder Kiefer unterstützen skandinavisches oder naturnahes Design, wobei die Holzart (geölt, gekalkt, lackiert) den Gesamteindruck mitbestimmt. Rahmenlose Spiegel wirken puristisch und lassen sich in fast jede Einrichtungssprache integrieren.
Hinter dem Bild, das der Spiegel zeigt, stelle man sich selbst zurück. Technisch wichtig für Badezimmer ist: Der Spiegel oder sein Rahmen müssen für feuchte Räume geeignet sein. Die DIN VDE 0100-701 regelt die Schutzräume in Bädern, in denen elektrisch betriebene Spiegelelemente (zum Beispiel mit integrierter Beleuchtung) mindestens der Schutzklasse IP44 entsprechen müssen.
Platzierung nach Raumnutzung: Flur, Wohnzimmer, Bad
Klassischer Standort für einen Spiegel ist der Flur. Er dient hier funktionell als letzte Kontrolle vor dem Verlassen der Wohnung und öffnet gestalterisch den oft schmalen Durchgangsbereich. Die empfohlenen Aufhängehöhen richten sich nach der Augenhöhe der Bewohner. Das heißt: Der Mittelwert des Spiegels sollte auf etwa 160 bis 170 cm Höhe sitzen. Wer bei der Wahl seines Spiegels mehrere Personen mit ganz unterschiedlichen Körpergrößen berücksichtigen möchte, greift zu einem Hochformat von 130 bis 190 Zentimeter.
Im Wohnzimmer wird der Spiegel vor allem dekorativ wirksam. Er sollte sich allerdings nicht gegenüber einem Sofa hängen, sonst hat der Bewohner immer seinen eigenen Anblick im Gesichtsfeld. Besser ist es, eine gute Aussicht zu spiegeln, zum Beispiel ein Fenster, eine Pflanze oder eine schön gestaltete Ecke des Raumes. Eine bewährte Lösung sind Spiegel über dem Kamin: Sie verstärken die Vertikale des Kamins und spiegeln gleichzeitig das Licht des Raumes nach oben.
Im Bad verbinden sich Funktion und Atmosphäre. Spiegel mit eingebauter LED-Beleuchtung (Lichtspiegel) geben blendfreie, gleichmäßige Ausleuchtung für Gesichtsbilder und kommen damit der Beleuchtungsempfehlung EN 12464-1 für Arbeitsstätten mit Sehaufgaben sehr nahe. Schlanke Rahmen oder rahmenlose Ausführung halten das Bad optisch sauber. Wer Platz braucht, greift auf Spiegelschränke zurück, die Funktion und Reflexionsfläche kombinieren.
Die Wahl des richtigen Spiegels lässt sich nicht auf eine Regel bringen. Format, Rahmen und Stellung hängen von Raum, Lichtverhältnis und gewollten Stilbild ab. Wer diese drei Faktoren aufeinander abstimmt, verwandelt einen nützlichen Gegenstand in ein machendes Mittel, das den Charakter des gesamten Raumes beeinflusst.